Nachhaltiges Palm(kern)öl

Viele Inhaltsstoffe, die für die Produktion von Kosmetikprodukten essenziell sind – beispielsweise Emulgatoren und Tenside – werden aus mineralischen oder pflanzlichen Ölen, z.B.  Palm(kern)öl, gewonnen. Als globales  Hautpflegeunternehmen beziehen wir Palm(kern)öl nicht direkt, sondern setzen sogenannte Derivate (weiterverarbeitete Stoffe auf Basis von Palm(kern)öl) ein. Unser jährlicher Bedarf liegt bei rund 33.000 t – das entspricht 0,04 %  der jährlichen Produktionsmenge an Palm(kern)öl weltweit (Quelle: Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten 2019). Um die knappen Ressourcen zu schonen und die Auswirkungen unserer Produkte auf die Umwelt zu minimieren, arbeiten wir eng mit unseren Partnern entlang der Lieferkette zusammen und verfolgen mit ihnen gemeinsam das Ziel, eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft zu fördern.

Nachhaltig angebaut, sind Ölpalmen ökologisch sehr effiziente Pflanzen, die auf einer vergleichsweise kleinen Anbaufläche eine maximale Ölproduktion ermöglichen. Eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft, für die wir uns aktiv einsetzen, führt nicht zur Abholzung von Regenwäldern (Primär- oder Sekundärwälder). Bis Ende 2020 wollen wir in allen Beiersdorf Produkten ausschließlich Palm(kern)öl aus nachhaltig zertifizierten Quellen einsetzen.

Palm Sustainability Roadmap

Mit Hilfe unserer Palm Sustainability Roadmap steuern wir unsere Aktivitäten auf dem Weg zu einer nachhaltigen Rohstoffbeschaffung, größtmöglicher Transparenz entlang der gesamten Lieferkette und Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von (Klein-)Bauern. Um diese Ziele zu erreichen, verfolgen wir mehrere strategische Ansätze.

Nachhaltige Zertifizierungen

In den vergangenen Jahren haben wir bei der Umstellung auf nachhaltig produziertes Palm(kern)öl deutliche Fortschritte erzielt. Bereits seit 2011 orientieren wir uns bei der Beschaffung von Palm(kern)öl an dem „RSPO Supply Chain Certification Standard“ (SCCS) des „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) und haben seit der ersten Lieferung von zertifiziertem Palm(kern)öl im Jahr 2015 den Anteil an massenbilanziertem Palm(kern)öl stetig ausgebaut.
Ein wichtiger Meilenstein war die Auszeichnung mit dem RSPO Multi-Site SCCS Zertifikat 2016 für unsere konsequente Umstellung auf nachhaltig zertifizierte Palm(kern)öl-basierte Rohstoffe weltweit.

Ende 2019 konnten wir insgesamt 91 % unseres Rohstoffbedarfs über massenbilanziertes Palm(kern)öl abdecken. Bis wir unser ambitioniertes Ziel für 2020, die vollständige Umstellung aller Palm(kern)öl-basierten Rohstoffe auf physisch nachhaltig zertifizierte massenbilanzierte Rohstoffe, erreicht haben, gleichen wir die verbleibenden Anteile über RSPO „Book and Claim“-Zertifikate aus.
Es gibt folgende Methoden zur Beschaffung von zertifiziert nachhaltigem Palm(kern)öl: Book and Claim, massenbilanziert, segregiert und Identity Preserved (IP). Nähere Informationen hierzu, finden Sie auf der RSPO-Webseite.

Größtmögliche Transparenz

Nur wenn wir unsere Lieferkette genau kennen, können wir unsere Nachhaltigkeitskriterien wirksam implementieren und auf neue Herausforderungen reagieren. Transparenz ist daher der Schlüssel zu einem wirkungsvollen Engagement. Deshalb streben wir eine enge Kooperation mit unseren Lieferanten an, so dass wir die von uns eingesetzten Rohstoffe bis zu ihrer Quelle zurückverfolgen können.  

2018 haben wir ein Projekt zur Rückverfolgung unserer Palm(kern)öl-basierten Rohstoffe über unsere Tier-1-Lieferanten hinaus bis zu den Raffinerien und Mühlen initiiert. Ziel des Projektes ist es, die Transparenz in unserer Palm(kern)öl-Lieferkette zu steigern, „Hot Spots“ zu identifizieren und gezielt Projekte vor Ort zu unterstützen. Unsere größten Rohstofflieferanten (Tier 1) sind in das Projekt integriert, so dass wir schon jetzt die Herkunft von 92 % unseres Einkaufsvolumens für Palm(kern)öl-basierte Rohstoffe kennen.

Nachhaltige Transformation in den Anbaugebieten

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem „World Wide Fund for Nature“ (WWF) in West Kalimantan, Indonesien, arbeiten wir seit Mitte 2018 daran, die Lebensgrundlage der Palm(kern)öl-Kleinbauern zu verbessern. Wir möchten die Kleinbauern davon überzeugen, dass der nachhaltige Anbau ölhaltiger Palmen ohne eine weitere Entwaldung zur Verbesserung der Lebens- und Einkommenssituation lokaler Gemeinschaften beiträgt. Durch unser Engagement profitieren nicht nur die 300 Kleinbauern, die in das Projekt involviert sind, sondern insgesamt drei Dörfer mit rund 4.500 Einwohnern. 

In Zukunft wollen wir auch mit weiteren Partnern Projekte umsetzen, die solche direkten Veränderungen in der Palm(kern)öl-Lieferkette vor Ort bewirken. Die Erkenntnisse aus unserem Transparenz- und Rückverfolgungsprojekt unterstützen uns bei der Auswahl und Umsetzung zukünftiger Projekte. Die lokalen Bedürfnisse und spezifischen Fragestellungen in den Beschaffungsregionen stehen dabei im Vordergrund.

Weiteres Engagement

Wir engagieren uns beim RSPO und beim Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP), um eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft gesamthaft zu fördern. Die RSPO-Prinzipien definieren einen verantwortungsvollen Mindeststandard, während sich das FONAP mit weiterführenden Zertifizierungskriterien noch stärker für die Belange von Umwelt und lokalen Gemeinschaften einsetzt. Dazu zählen:

  • Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt
  • Verbot von hochgefährlichen Pestiziden (entsprechend den Konventionen von Rotterdam und Stockholm, WHO Klasse 1a und 1b Pestiziden sowie Paraquat)
  • Einführung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase
  • Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen auch nicht-zertifizierte Rohware (Fresh Fruit Bunches) ausschließlich aus legalem Anbau beziehen

Zudem unterstützen wir das Kleinbauernprojekt „Impact of the FONAP Add-on Criteria on Small Producers in Malaysia” des FONAP. Es wird in Kooperation mit dem WWF Deutschland von der Nichtregierungsorganisation „Wild Asia“ in Perak, Malaysia, durchgeführt. Ziel des Projektes ist es, vor Ort Feedback von Kleinbauern zu den vier Zusatzkriterien des FONAP einzuholen und ihre Anwendbarkeit und Umsetzbarkeit zu testen. Weiterführende Informationen zu unserem Engagement finden Sie auf der RSPO-Webseite unter unserer Mitgliedsseite und auf der Webseite von FONAP.