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06.10.2020

„Wir müssen unsere Arbeitsweisen stärker hinterfragen und lernen, mehr loszulassen“

New Work ist in Zeiten von Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0 zum Leitbegriff geworden. Doch was bedeutet dieser Wandel für die Mitarbeiterführung? Und wie schafft man es, mit Tempo, Druck und Stress in der heutigen Zeit besser umzugehen? Darüber haben wir mit Andreas Clausen aus dem R&D-Leadership-Team von Beiersdorf gesprochen.

Andreas Clausen

Andreas, du leitest im Bereich Forschung und Entwicklung die Skin Care-Entwicklung in Hamburg und bist daneben auch verantwortlich für das Innovation Center in Shanghai. Damit agierst du als Führungskraft zwischen zwei Ländern – China und Deutschland. Wie schaffst du diesen Spagat? Und wie ist Führung auf Distanz für dich möglich?

Vertrauen ist das A und O. Das gilt aber unabhängig davon, ob das Team nur bei mir in Hamburg oder eben auch in China sitzt. Beide meiner Teams arbeiten sehr funktional, fokussiert und eigenständig. Trotzdem versuche ich, jederzeit für ihre Ideen und Herausforderungen ansprechbar zu sein. Mein Ziel ist es, nah an den Bedürfnissen meiner Mitarbeiter*innen zu sein und sie dabei zu unterstützen erfolgreich zu sein. In Hamburg bin ich natürlich allein durch die örtliche Nähe greifbarer, aber auch mit dem Team in China klappt die virtuelle Zusammenarbeit sehr gut. Bevor man auf lange Entfernung zusammenarbeiten kann, muss man sich dafür aber schon ein wenig kennen. Ich versuche, drei Mal im Jahr für eine längere Zeit in China zu sein. Das war in diesem Jahr allerdings aufgrund der Corona-Pandemie leider noch nicht möglich.

Die Arbeitswelt verändert sich rasant – aktuell gefühlt mehr denn je. Inwiefern hat sich das auf deinen Job als Führungskraft ausgewirkt?

Ob wir es nun New Work, VUCA oder die digitale Arbeitswelt nennen – unsere Art der Zusammenarbeit und Arbeitsweisen sind dabei, sich radikal zu ändern. Seit geraumer Zeit erleben wir beruflich eine unglaubliche Beschleunigung – und wir als Führungskräfte sind hier besonders gefragt. Wir müssen darauf reagieren. Für mich ist New Work untrennbar mit einem Wandel der inneren Haltung und eigenen Verhaltens verknüpft, mit einem grundsätzlichen Umdenken: Es macht die Arbeit menschlicher und empathischer, Ellenbogenmentalität und territoriales Denken weichen einem „wir“ von Führungskraft und Mitarbeiter*in, mit Rücksichtnahme und Wertschätzung für einander. Für uns als Führungskräfte bedeutet das, Macht loszulassen und zu hinterfragen, wie und welche Entscheidungen wir künftig treffen wollen. Wann braucht es Hierarchien? Wer muss wie eingebunden werden? Das ist ein Dialog, den wir heute viel bewusster führen müssen, und den ich mit meinem eigenen Führungsteam Schritt für Schritt angehe.

Das heißt, Führungskräfte müssen in der heutigen Zeit ihren Führungsstil von Grund auf ändern?

Grundsätzlich ja. Aber natürlich passiert der Wandel nicht über Nacht. Wir müssen viel bewusster experimentieren und mutig neue Wege gehen. Die Kernaufgabe der Führungskräfte besteht darin, ihren Mitarbeiter*innen Orientierung und Rückendeckung in Zeiten von Veränderung zu geben – das Fundament dafür ist eine offene und vertrauensvolle Kommunikation. Aber es geht auch darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Lernen gewollt ist; in dem ausprobiert werden kann und Fehler gemacht werden dürfen. Und es geht darum, die Organisation dahin zu bringen, dass sie mehr Widerstandskraft entwickelt, um der Beschleunigung und permanenten Veränderung standzuhalten. Es ist also letztendlich viel mehr Menschenführung als Management gefragt. Führen bedeutet heute Veränderung führen.

Welche Fähigkeiten braucht eine Führungskraft deiner Meinung nach heute?

Wie schon gesagt, heutige Führungskräfte brauchen in erster Linie den Mut, Veränderungen in Gang zu bringen. Dazu gehört Loslassen können, flexibles Denken, mutiges Entscheiden sowie adaptives Handeln, ohne die Gewissheit zu haben, ob die getroffenen Entscheidungen schlussendlich die richtigen waren. Das erfordert bei Führungskräften ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz in Form von Empathie sowie der Fähigkeit zur Selbstregulation und Resilienz.

Resilienz ist ein gutes Stichwort. Du bist seit mehreren Jahren einer von fünf Achtsamkeits-Botschaftern bei Beiersdorf am Hamburger Standort. Wie bist du dazu gekommen?

Achtsamkeit ist in meinem Leben seit mehr als fünf Jahren ein wichtiger Anker. Damals hatte ich das Glück, als einer der ersten an einem Achtsamkeitstraining bei Beiersdorf teilzunehmen. Die achtsame Praxis hat, das ist wissenschaftlich nachgewiesen, eine stark stressreduzierende Wirkung. Gerade in der heutigen Arbeitswelt mit ihrer hohen Umdrehungszahl und einer großen Informationsdichte hilft es sehr, mit sich in Kontakt zu bleiben, fokussieren zu können und mit seiner Aufmerksamkeit voll und ganz im hier und jetzt zu sein – oder sich zumindest immer wieder zu beobachten und es aktiv zu versuchen. Denn je genauer ich mich selbst wahrnehme und spüre, und je mehr ich innerlich einen Schritt zu mir selbst finde, desto klarer werde ich. Viele Menschen spüren sich heutzutage durch die Beschäftigung mit den permanent kreisenden Gedanken im Kopf nicht mehr. Abstand hilft uns, die Dinge klarer zu sehen und eine gewisse Gelassenheit und Distanz zu entwickeln. Für mich ist Achtsamkeit eine Art Ruhepol; ein Weg, um mit der Beschleunigung in der jetzigen Zeit besser zurecht zu kommen, um mehr Widerstandskraft zu entwickeln. Und in meiner Rolle als Achtsamkeits-Botschafter und Trainer möchte ich meine Erfahrungen gern direkt an andere Kolleg*innen weitergeben.

Hast du in diesem Zusammenhang einen speziellen Tipp?

Jeder muss für sich selbst den richtigen Weg finden, ein Patentrezept gibt es nicht. Es geht darum, was einem persönlich hilft, und was man schafft, in seinen Alltag permanent zu integrieren. Bei mir ist das vor allem die Meditation. Mehr Beschleunigung bedeutet zwangsläufig mehr Gedanken. Meditation ist im Grunde die geistige Übung, die eigenen Gedanken bewusst wahrzunehmen, nicht zu bewerten und weiterziehen zu lassen. Und bevor ich nachts vor häufig lauter vielen Gedanken nicht schlafen kann, hilft mir die Abendmeditation, mich wieder zu erden, in dem ich mich auf meine Atmung konzentriere. Das ist meine persönliche Formel, um mit Druck, Stress und Beschleunigung besser umgehen zu können: wegatmen.

Lieber Andreas, vielen Dank für das offene Gespräch.

NEW WORK FESTIVAL

Im November 2019 hat Beiersdorf mit dem ersten NEW WORK FESTIVAL ein buntes Programm auf die Beine gestellt, um das Thema NEW WORK für die Mitarbeiter*innen erlebbar zu machen. Neben Workshops & Scrum Trainings, Hackathons und Panels von und mit Beiersdorf Mitarbeiter*innen, gab es auch zahlreiche Vorträge namhafter externer Speaker – darunter Michael Trautmann, John Stepper, Charles, Bahr, Brad White oder Cordelia Röders-Arnold. Im November 2020 geht das Festival nun in die zweite Runde, diesmal rein virtuell, doch wieder mit vielen bekannten Gesichtern. Stay tuned für weitere Informationen auf unserem LinkedIn Kanal.  

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Kathrin Erbar

Über die Autorin: Kathrin Erbar

Kathrin nimmt uns mit auf eine Reise in das faszinierende Feld der Forschung und Entwicklung bei Beiersdorf. Bevor sie sich mit der DNA von Beiersdorf beschäftigte, war sie für die Kommunikation zu Themen rund um HR zuständig, darunter Diversity, Führung oder New Work. Davor hatte sie sich ganz den Zahlen verschrieben und war mehrere Jahre lang für die Finanzkommunikation bei Beiersdorf verantwortlich.