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Nachhaltiges Palm(kern)öl

Viele Inhaltsstoffe, die für die Produktion von Kosmetikartikeln essenziell sind – beispielsweise Emulgatoren und Tenside –, werden aus mineralischen oder pflanzlichen Ölen gewonnen. Dazu zählt auch Palm(kern)öl. Als produzierendes Unternehmen der Kosmetikindustrie beziehen wir Palm(kern)öl nicht direkt, sondern setzen dessen Derivate (weiterverarbeitete Stoffe auf Basis von Palm(kern)öl ein. Unser jährlicher Bedarf liegt bei rund 37.000 t – das entspricht 0,05 % (lt. Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten 2018) der jährlichen Produktionsmenge an Palm(kern)öl weltweit. Um knappe Ressourcen zu schonen und die Auswirkungen unserer Produkte auf die Umwelt zu minimieren, arbeiten wir eng mit unseren Partnern entlang der Supply Chain zusammen und verfolgen gemeinsam das Ziel, eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft zu fördern.  

Nachhaltig angebaut, sind Palmen ökologisch sehr effiziente Ölpflanzen, die auf einer vergleichsweise kleinen Anbaufläche eine maximale Ölproduktion ermöglichen. Eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft führt nicht zur Abholzung von Regenwäldern (Primär- oder Sekundärwald). Bis 2020 wollen wir in allen Beiersdorf Produkten ausschließlich Palm(kern)öl aus zertifiziert nachhaltigen Quellen einsetzen.

Palm Sustainability Roadmap

Mit Hilfe unserer Palm Sustainability Roadmap steuern wir unsere Aktivitäten auf dem Weg zu einer nachhaltigen Rohstoffbeschaffung, größtmöglicher Transparenz entlang der gesamten Lieferkette und Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von (Klein-)Bauern. Um diese Ziele zu erreichen, fokussieren wir uns auf mehrere strategische Ansatzpunkte.

Nachhaltige Zertifizierungen

In den vergangenen Jahren haben wir bei der Umstellung auf nachhaltig produziertes Palm(kern)öl kontinuierlich deutliche Fortschritte erzielt. Bereits seit 2011 orientieren wir uns bei der Beschaffung von Palm(kern)öl an dem „RSPO Supply Chain Certification Standard“ des „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) und haben seit der ersten Lieferung von zertifiziertem Palm(kern)öl im Jahr 2015 den Anteil an massenbilanziertem Palm(kern)öl stetig ausgebaut.

Ein wichtiger Meilenstein war die Auszeichnung mit dem RSPO Multi-Site SCCS Zertifikat 2016 für unsere konsequente Ausrichtung auf eine nachhaltige Palmöl-Wirtschaft. 

2018 konnten wir insgesamt 63 % unseres Rohstoffbedarfs über massenbilanziertes Palm(kern)öl abdecken. Bis wir unser ambitioniertes Ziel für 2020 einer vollständigen Umstellung aller Palm(kern)öl-basierten Inhaltsstoffe auf physisch nachhaltig zertifizierte massenbilanzierte Rohstoffe erreicht haben, gleichen wir die verbleibenden Anteile über RSPO „Book and Claim“-Zertifikate aus.

Methoden zur Beschaffung von zertifiziert nachhaltigem Palm(kern)öl nach den Vorgaben des „RSPO Supply Chain Certification Standards“

Book and Claim

„Book and Claim“ beschreibt den Onlinehandel mit Volumen-Zertifikaten. Für jede Tonne real eingesetzten Palm(kern)öls wird von den Herstellern der Endprodukte ein virtuelles Zertifikat erworben, und zwar von einem Lieferanten, der nachweislich eine Tonne nachhaltiges Palm(kern)öl produziert hat. Durch diesen Volumenausgleich lässt sich der Einsatz von zertifizierten Rohstoffen von der Plantage über die Mühle bis zum fertigen Produkt sicherstellen, und zwar unabhängig von der realen Lieferkette. Anders als beim „Book and Claim“-Ansatz ist das zertifizierte Öl in den folgenden drei Modellen auch physisch im Endprodukt enthalten – jedoch wird nur bei „Segregiert“ und „Identity Preserved“ strikt zwischen nachhaltiger und konventioneller Ware unterschieden. 

Massenbilanziert

„Massenbilanziert“ beschreibt das kontrollierte Vermischen von nachhaltig zertifiziertem und konventionellem Palm- bzw. Palmkernöl über alle Ebenen der Lieferkette. Dabei gibt es keine Vorgaben für eine separate Lagerung oder Kontrolle im Rahmen des Produktionsprozesses, solange die Kauf- bzw. Verkaufsmengen des zertifizierten Materials bilanziell übereinstimmen. Entsprechend sind auch die Endprodukte massenbilanziert.     

Segregiert

„Segregiert“ schreibt die komplette Trennung zwischen zertifiziertem, nachhaltigem und konventionell erzeugtem Palm(kern)öl vor. Das Endprodukt enthält damit zu 100 % nachhaltig produziertes Palm(kern)öl.

Identity Preserved (IP)

„Identity Preserved (IP)“ beschreibt die strikte physische Trennung von zertifiziert nachhaltigen Ölen aus unterschiedlichen Plantagen. Die für diese Zertifizierung notwendigen Rahmenbedingungen gelten über die gesamte Lieferkette inklusive Lagerung und Transport. Das Ergebnis: Das im Endprodukt enthaltene nachhaltige Palm(kern)öl lässt sich eindeutig identifizieren, sein Ursprung bis auf die Ebene der Plantage zurückverfolgen.

Größtmögliche Transparenz

Nur wenn wir unsere Lieferkette genau kennen, können wir unsere Nachhaltigkeitskriterien wirksam implementieren und auf neue Herausforderungen zeitnah reagieren. Transparenz ist der Schlüssel zu einem wirkungsvollen Engagement. Deshalb wollen wir durch eine enge Kooperation mit unseren Lieferanten sicherstellen, dass wir die von uns eingesetzten Rohstoffe bis zu ihrer Quelle zurückverfolgen können. 2018 haben wir ein Projekt zur Rückverfolgung unserer Palm(kern)öl-basierten Rohstoffe über unsere Tier-1-Lieferanten hinaus bis zu den Raffinerien und Mühlen initiiert. Ziel des Projektes ist es, die Transparenz in unserer Palm(kern)öl-Lieferkette weiter zu steigern, „Hot Spots“ zu identifizieren und gezielt Projekte vor Ort zu unterstützen. Unsere größten Rohstofflieferanten (Tier 1) sind in das Projekt integriert, so dass wir schon jetzt die genaue Herkunft von 92 % unseres Einkaufsvolumens für Palm(kern)öl-basierte Rohstoffe kennen.

Transformation in den Anbaugebieten

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem „World Wide Fund for Nature“ (WWF) in West Kalimantan (Indonesien) arbeiten wir seit Mitte 2018 daran, die Lebensgrundlagen von Palm(kern)öl-Kleinbauern zu verbessern. Wir möchten die Kleinbauern davon überzeugen, dass der nachhaltige Anbau ölhaltiger Palmen ohne weitere Entwaldung zur Verbesserung der Lebens- und Einkommenssituation lokaler Gemeinschaften beiträgt. Durch unser Engagement profitieren nicht nur die 300 Kleinbauern, die in dem Projekt involviert sind, sondern insgesamt drei Dörfer mit rund 4.500 Einwohnern. In Zukunft wollen wir auch mit weiteren Partnern Projekte umsetzen, die solche Veränderungen in der globalen Palm(kern)öl-Lieferkette bewirken. Die Erkenntnisse aus unserem Lieferketten-Rückverfolgbarkeitsprojekt unterstützen uns bei der Auswahl und Umsetzung zukünftiger Projekte. Die lokalen Bedürfnisse und die spezifischen Fragestellungen in den Beschaffungsregionen stehen dabei stets im Vordergrund.

Externes Engagement

Wir engagieren uns beim RSPO und beim Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) um eine nachhaltige Palm(kern)öl-Wirtschaft insgesamt zu fördern. Die RSPO-Prinzipien definieren einen verantwortungsvollen Mindeststandard, während sich das FONAP mit weiterführenden Zertifizierungskriterien noch stärker für die Belange von Umwelt und lokalen Gemeinschaften einsetzt. Dazu zählen:

  • Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt
  • Verbot von hochgefährlichen Pestiziden (entsprechend den Konventionen von Rotterdam und Stockholm, WHO 1a und 1b sowie Paraquat)
  • Einführung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase
  • Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen auch nicht-zertifizierte Rohware (Fresh Fruit Bunches) ausschließlich aus legalem Anbau beziehen

Zudem unterstützen wir das Kleinbauernprojekt „Impact of the FONAP Add-on Criteria on Small Producers in Malaysia” des FONAP. Es wird in Kooperation mit dem WWF Deutschland von der Nichtregierungsorganisation „Wild Asia“ in Perak (Malaysia) durchgeführt. Ziel des Projektes ist es, vor Ort Feedback von Kleinbauern zu den vier Zusatzkriterien des FONAP einzuholen und ihre Anwendbarkeit und Umsetzbarkeit zu testen. 

Weiterführende Informationen zu unserem Engagement finden Sie auf der RSPO-Webseite unter unserer Mitgliedsseite und auf der Webseite von FONAP.