05.06.2026

Auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft: Wie Beiersdorf 30 % Rezyklatanteil erreicht hat

Plastikabfall zu reduzieren und Verpackungen nachhaltiger zu gestalten – das sind die großen Herausforderungen der Konsumgüterindustrie. Bei Beiersdorf läuft diese Transformation bereits seit Jahren – und erreichte Ende 2025 einen wichtigen Meilenstein: 30 % Rezyklatanteil in Plastikverpackungen weltweit.

Um zu verstehen, wie dieses Ziel erreicht wurde, welche Herausforderungen bewältigt werden mussten und was die nächsten Schritte sein werden, haben wir mit Eva Bredehorst, Adrian Przybill und Jérôme Lerouge gesprochen, die maßgeblich in die Verpackungstransformation bei Beiersdorf involviert sind und sie vorantreiben.

NIVEA Körperpflege- und Sonnenschutzprodukte sind kreisförmig um Tiegel angeordnet, die recycelte Kunststoffgranulate und Kunststoffflocken enthalten. Dies veranschaulicht nachhaltige Verpackungsinnovationen und die Verwendung von Recyclingmaterialien in Kunststoffverpackungen.

Beiersdorf hat Ende 2025 einen Rezyklatanteil von 30 % in seinen Plastikverpackungen erreicht. Warum ist dieser Meilenstein so wichtig?

Eva: Dieser Meilenstein ist der Beweis dafür, dass eine Verpackungstransformation im großen Stil möglich ist. Der Einsatz von Rezyklat klingt ja erstmal einfach und naheliegend – aber für ein globales Unternehmen wie Beiersdorf ist dies eine sehr komplexe Aufgabe, insbesondere wenn Produktsicherheit, Qualität und Ästhetik uneingeschränkt gewährleistet bleiben müssen.

Zugleich bedeutet das Erreichen der 30‑%-Marke, dass der Einsatz von Rezyklat bei Beiersdorf nun nicht länger die Ausnahme ist, sondern ein fester Bestandteil unseres Verpackungsportfolios. Es zeigt, dass wir unsere Nachhaltigkeitsambitionen in konkretes Handeln überführen konnten.

Wie ging das los mit dem Einsatz von Rezyklat?

Eva Bredehorst

Eva: Mit dem Start unserer CARE BEYOND SKIN Nachhaltigkeitsagenda hatten wir uns verpflichtet, den Einsatz von Neuplastik in Verpackungen zu reduzieren und bis Ende 2025 einen Rezyklatanteil von 30 % zu erreichen. Es war uns klar, dass wir dieses Ziel nicht mit kleinen, isolierten Verpackungsanpassungen würden erreichen können. Wir mussten eine Transformation starten, die Veränderungen im großen Stil würde.

Einer der ersten Schritte war der Wechsel zu recyceltem PET, das aus etablierten Recyclingströmen der Lebensmittelindustrie direkt verfügbar war. Diese Umstellung betraf jedoch nur einen kleinen Teil unseres Sortiments. Daher begannen wir parallel, Lösungen für anspruchsvollere Materialien wie Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) zu entwickeln. Dafür war zunächst einiges an Grundlagenarbeit nötig, etwa die Entwicklung eines Qualitätsstandards für den Einsatz von sogenannten „Post‑Consumer“ Rezyklaten in kosmetischen Verpackungen.  

Was waren die größten Hebel, um das 30‑Prozent‑Ziel zu erreichen?

Jérôme Lerouge

Jérôme: Der größte Hebel war eindeutig die Umstellung der großen Produktportfolios. Wir haben uns bewusst auf unsere globalen Bestseller in großen Kategorien konzentriert, etwa auf die Sortimente von NIVEA Shower, NIVEA Body, NIVEA Hair und NIVEA Sun.

Jede der Verpackungsumstellungen hat seinen Teil zur Erreichung unseres Ziels beigetragen. Allerdings forderte dieser Ansatz viel Mut und eine enge Zusammenarbeit über viele Abteilungen hinweg. Denn Verpackungsänderungen in einer solchen Größenordnung starten mit dem Verpackungsdesign und der Entwicklung, benötigen die passenden Partner in der Lieferkette, müssen Kompatibilitätsprüfungen für die Formulierungen durchlaufen, verändern Produktionsprozesse und haben letztlich auch Auswirkungen auf das Produkterlebnis unserer Konsument*innen.

Was macht den Einsatz von Rezyklat denn so herausfordernd?

Adrian Przybill

Adrian: Die größte Herausforderung besteht darin, den Nachhaltigkeitsaspekt zu integrieren, ohne Kompromisse bei Produktsicherheit oder Produktoptik einzugehen. Recycelte Kunststoffe – insbesondere PE und PP – stammen ja aus dem Haushaltsmüll und unterscheiden sich daher stetig in Qualität und Farbe, was bei Neuplastik nicht der Fall ist.
Für Unternehmen wie Beiersdorf, die sogenannte „Fast‑Moving‑Consumer‑Goods“ herstellen, ist es wichtig, dass die Verpackung das Produkt während seines gesamten Lebenszyklus optimal schützt. Das erfordert umfangreiche Tests, die ein zeitlicher und personeller Aufwand sind. Dabei testen wir z.B. wie das Rezyklat mit der Formulierung interagiert und ob die Verpackung das Produkt zuverlässig schützt – unter verschiedenen Bedingungen, etwa beim Transport oder bei der Nutzung durch die Konsument*innen. Erst wenn alle Tests bestanden und unsere Anforderungen vollständig erfüllt sind, setzen wir ein Material ein.

Wie stellt Beiersdorf die Qualität der Rezyklats sicher?

Adrian: Generell hat die Sicherheit unserer Produkte für uns oberste Priorität und muss stets zu 100 % gewährleistet sein. Jede Verpackungslösung durchläuft daher vor ihrem Einsatz strenge Prüfprozesse. Diese werden durch unsere umfangreiche interne Analytik unterstützt, bei der Leistungsdaten der Materialien sorgfältig ausgewertet werden, um potenzielle Risiken zu identifizieren und zu minimieren. Das gilt in besonderem Maße für den Einsatz von Rezyklat.

Wir arbeiten mit internen Expert*innen und externen Partnern, um sicherzustellen, dass das Rezyklat alle notwendigen Standards erfüllt. Vor einigen Jahren haben wir einen Vorschlag für einen „Industriestandard für kosmetische Verpackungen“ entwickelt, um den sicheren Einsatz von „Post‑Consumer“ Rezyklaten zu ermöglichen. Daraus entstand dann die CosPaTox‑Initiative, die später den DIN‑Standard SPEC 91521 veröffentlicht hat. Diese Arbeit war nötig und äußerst hilfreich, um den sicheren Einsatz von Rezyklat in der Branche voranzutreiben.

Was kommt nach diesem wichtigen 30% Meilenstein?

Jérôme: Wir machen natürlich weiter. Das nächste Ziel ist für 2030 gesetzt. Bis dahin wollen wir einen 50 % Rezyklat oder erneuerbare Materialien in unseren Plastikverpackungen erreichen. Das ist ambitioniert und erfordert eine weiterhin enge Zusammenarbeit zwischen diversen Abteilungen, wie z.B. Packaging, Einkauf, Analytik, Corporate Sustainability und Marketing.

Unsere Verpackungstransformation dauert natürlich noch länger an. Auch wenn 30 % ein wichtiger Meilenstein für uns ist, braucht es noch viele Schritte bis zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Wir können den Wandel nur zusammen mit unseren strategischen Verpackungslieferanten, mit Start‑ups, mit NGOs, wie z.B. der Ellen‑MacArthur‑Foundation, sowie mit Initiativen, wie z.B. dem Forum Rezyklat in Deutschland schaffen. Zudem ist die Leidenschaft und das Engagement unserer Beiersdorf Kolleg*innen rund um die Welt, die unsere Nachhaltigkeitstransformation unterstützen – auch über das Verpackungsthema hinaus – ein toller Motivator und Treiber für Fortschritt. Uns vereint die Vision, Net Zero bis 2045 zu erreichen, alle gemeinsam.

Über die Autorin: Katrin J. Selzer

 

Katrin ist seit 2003 bei Beiersdorf tätig. Nach verschiedenen Positionen im Marketing, der Strategie, Digital und Brands PR, verantwortet sie seit September 2018 als Senior Communication Manager den Themenbereich Nachhaltigkeit. Katrin ist Nachhaltigkeitsfan und sieht ihre kommunikative Aufgabe nicht nur darin, zu informieren, sondern für das Thema zu begeistern und positive Veränderungen anzuregen.