27.05.2026

Kein Tag ohne Lichtschutzfaktor

Endlich sind die Tage wieder länger und die Sonnenstrahlen angenehm warm auf unserer Haut zu spüren. Die unmittelbaren positiven Auswirkungen von Sonnenlicht liegen auf der Hand: verbesserte Stimmung und angeregte Vitamin D-Produktion. Gleichzeitig gibt es eine klare Kehrseite, insbesondere was die langfristigen biologischen Auswirkungen auf die Haut anbelangt. Dr. Ludger Kolbe verrät uns im Interview, warum wir nicht nur im Sommer, sondern schon jetzt unbedingt an täglichen Sonnenschutz denken sollten.

Dr. Kolbe, was genau bewirkt UV-Strahlung in unserer Haut?

Ludger: Die beiden UV-Strahlungsarten, UVA und UVB, wirken über unterschiedliche biologische Mechanismen und müssen daher gemeinsam betrachtet werden. UVB ist energiereicher und verursacht vor allem direkte DNA-Schäden in den oberen Hautschichten; der klassische Sonnenbrand ist eine sichtbare Folge dieser Schädigung. UVA ist langwelliger, dringt tiefer in die Haut ein und erzeugt oxidativen Stress. Das schädigt Kollagen, Elastin und Zellstrukturen und trägt maßgeblich zu vorzeitiger Hautalterung bei. Beide Strahlungsarten erhöhen zudem das Hautkrebsrisiko. Deshalb ist ein wirksamer Sonnenschutz unverzichtbar – täglich, nicht nur im Sommerurlaub.

Wusstet ihr schon?
Der UV‑Index bildet vor allem die schwankende UVB‑Strahlung ab, während UVA-Strahlung ganzjährig relativ konstant bleibt. Sonnenschutz wird zwar ab UV‑Index 3 empfohlen – aber auch bei niedrigem UV‑Index ist täglicher UVA‑Schutz wichtig, besonders zur Vorbeugung von Hautalterung und Pigmentstörungen.

„Prävention beginnt nicht im Urlaub, sondern jeden Morgen mit konsequentem Sonnenschutz.“

Ludger Kolbe, Chief Scientist für Photobiologie und Hyperpigmentierung bei Beiersdorf

Warum reicht es nicht aus, sich vor allem an besonders sonnigen Tagen mit Sonnenschutz einzucremen?

Ludger: Unsere Haut unterscheidet nicht zwischen einem sonnigen Sommertag und einem bewölkten Frühlingstag. UVA-Strahlung macht etwa 90–95 % der gesamten UV-Strahlung aus und ist über das Jahr hinweg relativ konstant. Sie erreicht die Haut auch bei Bewölkung, im Schatten oder durch Fensterglas. Je nach Phototyp* bleiben unmittelbare Warnsignale durch die Haut aus, doch die biologischen Prozesse laufen kontinuierlich ab. Entscheidend ist die kumulative Dosis über Jahre und Jahrzehnte. Diese kontinuierliche Belastung beeinflusst nicht nur Hautalterung und Hautkrebsrisiko, sondern auch gezielt das Pigmentsystem der Haut.

* Der Phototyp beschreibt die genetisch bedingte Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV‑Strahlung sowie ihr Sonnenbrand‑ und Bräunungsverhalten.

 

Wusstet ihr schon? 
Bis zu 80% der UV-Strahlen können auch durch die Wolkendecke hindurchdringen. Sonnenschutz ist daher tägliche Prävention und nicht allein schönwetterabhängig. 

Welcher Zusammenhang besteht zwischen UV-Strahlung und der Entstehung von Pigmentflecken?

Ludger: Pigmentierung ist grundsätzlich eine natürliche Schutzreaktion unserer Haut. Wird die Haut UV‑Strahlung ausgesetzt, regen spezielle Zellen, die sogenannten Melanozyten, die Bildung des Hautpigments Melanin an – gesteuert über das Enzym Tyrosinase. Das Melanin wird anschließend an die umliegenden Hautzellen weitergegeben und trägt dazu bei, die Haut vor lichtbedingten Schäden zu schützen. Bei wiederholter UV‑Exposition kann dieses fein regulierte System jedoch aus dem Gleichgewicht geraten: Die Pigmentierung wird ungleichmäßig, und es kommt zur sogenannten Hyperpigmentierung – also zu dunkler gefärbten Hautarealen in Form von Pigmentflecken. Diese treten besonders häufig an dauerhaft sonnenexponierten Stellen wie Gesicht oder Händen auf.

 

 

Was ist Hyperpigmentierung?
Hyperpigmentierung zählt weltweit zu den häufigsten dermatologischen Herausforderungen. Sie entsteht, wenn die Haut zu viel Melanin produziert – ausgelöst etwa durch UV-Strahlung, hormonelle Veränderungen oder genetische Faktoren. Die Folge: Pigmentflecken, die bei allen Haut- und Phototypen auftreten und die Lebensqualität beeinflussen können.

Sonnenschutz spielt also eine zentrale Rolle bei der Prävention von Hyperpigmentierung – was ist dabei aus heutiger Forschungsperspektive besonders entscheidend?

Ludger: Absolut. Konsequente Photoprotektion ist die Grundlage jeder Präventions und Behandlungsstrategie bei Hyperpigmentierung. Das bestätigt auch ein globaler Expert*innenkonsens zum Management von Hyperpigmentierung, dem zehn weltweit führende Dermatolog*innen angehören. Entscheidend ist jedoch, dass dabei nicht nur UV Strahlung relevant ist. Unsere aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass sichtbares Licht eine deutlich größere Rolle für die Pigmentierung der Haut spielt als bislang angenommen. Es kann Hyperpigmentierung nicht nur auslösen, sondern verstärken – besonders bestehende Pigmentflecken reagieren sehr empfindlich.

Das erklärt, warum klassische Sonnenschutzprodukte mit reinem UV Filter bei Hyperpigmentierung oft nicht ausreichen. Entsprechend sollte Sonnenschutz je nach Situation auch sichtbares Licht berücksichtigen. Ergänzend spielen gezielte Wirkstoffe wie Thiamidol® eine wichtige Rolle, der vom Expert*innenkonsens als bevorzugte Lösung bei Hyperpigmentierung empfohlen wird. Entscheidend ist das Zusammenspiel, denn der beste Wirkstoff entfaltet sein Potenzial nur auf Basis konsequenten täglichen Lichtschutzes. Und für wirksamen Schutz zählt nicht nur das „Ob“, sondern auch das „Wie“: denn nur mit der richtigen Menge wird der angegebene Lichtschutzfaktor erreicht.

Wusstet ihr schon? 
Damit der angegebene Lichtschutz erreicht wird, sollten Erwachsene mind. zwei Fingerlängen (Zeige- und Mittelfinger) Sonnencreme auf Gesicht und Hals auftragen – und alle 2-3 Stunden erneut auftragen.

Ultraleichte Fluids, Seren, Sticks und mehr: Dank der Formulierungsexpertise unserer F&E kombinieren unsere Produkte SPF mit ausgewählten Wirkstoffen, die auf eine Vielzahl von Bedürfnissen und Anwendungswünschen zugeschnitten sind – für mühelose tägliche Anwendung.

Info-Kasten:

Seit über 50 Jahren steht Beiersdorf für führende Sonnenschutzkompetenz. Bereits 1975 trugen unsere Wissenschaftler*innen maßgeblich zur Entwicklung und Etablierung des Lichtschutzfaktors (LSF) als internationalen Standard bei. 

Kürzlich zeigten unsere Wissenschaftler*innen in ihrer Publikation, dass sichtbares Licht (400–700 nm) die Haut messbar und anhaltend nachdunkeln kann, auch ohne UV-Strahlung. Melasma-Flecken reagieren dabei deutlich stärker als umliegende gesunde Haut. Die Ergebnisse belegen, dass UV Schutz allein nicht ausreicht, um lichtinduzierte Hyperpigmentierung zu verhindern.¹

¹ Mann et al., Visible light induces skin darkening in vivo, Photochemical & Photobiological Sciences, 2026, DOI: 10.1007/s43630-025-00844-2

Über Dr. Ludger Kolbe, Chief Scientist für Photobiologie, Beiersdorf AG

Dr. Ludger Kolbe ist anerkannter Biologe und Spezialist für Photobiologie und Hyperpigmentierung. Seine Suche nach neuen Ansätzen für die dermatologische und kosmetische Hautpflege hat bereits zu einer Vielzahl von Patenten und wissenschaftlichen Publikationen geführt. Dr. Ludger Kolbe ist Mitglied in bedeutenden internationalen Gremien, Gesellschaften und Expertenrunden.

Über die Autorin: Kathrin Erbar

Kathrin nimmt uns mit auf eine Reise in das faszinierende Feld der Forschung und Entwicklung bei Beiersdorf. Bevor sie sich mit der DNA von Beiersdorf beschäftigte, war sie für die Kommunikation zu Themen rund um HR zuständig, darunter Diversity, Führung oder New Work. Davor hatte sie sich ganz den Zahlen verschrieben und war mehrere Jahre lang für die Finanzkommunikation bei Beiersdorf verantwortlich.