


Know-how, Mut, Beharrlichkeit und Kreativität sind für Dr. Horst Wenck Eigenschaften, die einen guten Forscher auszeichnen. Seine Karriere bei Beiersdorf begann 1987, im direkten Anschluss an sein Chemie-Studium an der Universität Hamburg. Von 1988 bis 1991 leitete Dr. Wenck die Produktentwicklung in der US-Niederlassung von Beiersdorf. Und seit elf Jahren ist der 52-Jährige Leiter der Forschungsabteilung der Beiersdorf AG in Hamburg.
Herr Dr. Wenck, was hat sich in der Hautforschung während des letzten Jahrhunderts getan?
Enorm viel! Wenn wir uns vorstellen, dass sich das Wissen in den Naturwissenschaften mindestens alle 8 Jahre verdoppelt, dann wissen wir heute mehr als 5000-mal so viel wie die Menschen damals. Dazu kommt, dass man damals gar nicht so systematisch arbeiten konnte, dafür war eben noch viel zu wenig über die Haut und ihre Behandlung sowie über ihre biologischen, chemischen und physikalischen Grundprinzipien bekannt. Die damalige Hautforschung war im Prinzip auf die Beschreibung der Phänomene mit einfachen Techniken wie Photographie und Mikroskopie beschränkt, den Ursachen konnte man nicht auf den Grund gehen. Erst in den 50er Jahren entdeckte man die Funktion der Hornschicht als wesentliche Hautbarriere.
Wo liegt der Schwerpunkt der Beiersdorf Hautforschung?
Beiersdorf beschäftigt sich intensiv mit dem Energiestoffwechsel der Haut. Wir wissen inzwischen ziemlich genau, was in den Hautzellen geschieht, verstehen, wie sich die Haut selbst repariert und was im Alter passiert. Die Haut ist eines der aktivsten Organe des Menschen. Um ihre Funktionen optimal erfüllen zu können, braucht sie Energie. Eigentlich ist es recht simpel: Führe ich der Haut Wirkstoffe zu, die ihren Stoffwechsel anregen, geht es ihr gut und sie kann bestmöglich arbeiten.
Welchen Einfluss haben 100 Jahre Beiersdorf Hautforschung auf die weltweite Entwicklung des Kosmetik-Markts?
Wir haben immer wieder weltweite Standards setzen können, als Ergebnis harter Arbeit über Generationen hinweg. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung des Lichtschutzfaktors, der einen wissenschaftlichen Vergleich der Wirksamkeit von Sonnenschutzprodukten ermöglicht. Diese Idee kommt aus der Beiersdorf Forschung und hat sich schnell zum weltweiten Standard für diese Produktkategorie entwickelt. Wir haben bereits 1975 den Lichtschutzfaktor auf NIVEA Sonnenschutzprodukten angegeben – lange bevor eine gesetzliche Regelung dafür existierte. Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung der ersten stabilen Wasser-in-Öl-Emulsion mit einer flüssigeren Konsistenz für die NIVEA Milk 1981. Diese Innovation machte es möglich, eine schnell einziehende Körperpflege großflächig und einfach auf die Haut aufzutragen. Die Entwicklung der ersten wirklich dünnflüssigen Emulsionen ohne Alkohol in den Neunzigern war dann die Grundlage für Pumpzerstäuber, beispielsweise für Deodorants und Sonnenschutzsprays. Ein wichtiger Durchbruch in unserer Forschung war auch das Breitband-UV-Filtersystem für NIVEA Sun aus dem Jahr 2001, das hocheffektiv vor Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und Zellschäden schützt.
Welche Rolle spielen die individuellen Bedürfnisse der Verbraucher für die Erforschung und Entwicklung neuer Hautpflege-Produkte?
Eine ganz wichtige! Bereits erste Ideen und Prototypen werden von Probanden unter realen Bedingungen getestet. Die im direkten Dialog zwischen Verbrauchern und Entwicklern gewonnenen Erkenntnisse können unmittelbar in die Produktoptimierung integriert werden. Allein im Hamburger Forschungszentrum stehen hierfür 35 Untersuchungsräume und Technologien zur Verfügung, die in der Lage sind, auch feinste Hautveränderungen zu messen, Wirksamkeiten nachzuweisen und zu dokumentieren.
Und wie sieht die Zukunft aus?
Die wird garantiert so spannend wie die letzen 100 Jahre. Wir haben jetzt schon neue Wirkstoffgenerationen im Visier, die die Hautforschung auf die nächste Ebene bringen werden...